Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben - aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind. Hermann Hesse

Montag, 26. November 2007

Camp in Tarija 2

Hallo meine Lieben Zuhause!

Letztes Wochenende wollte ich ja eigentlich den Tarija Bericht verfassen, bin aber leider nicht dazu gekommen...
Am Samstag war ich ganz viele Zutaten einkaufen, um anschliessend Sinterklaas süssigkeiten zu backen! Ich habe mich an Pepernootjes, Spekulaasbrokken, Suikerharten und Taai Taai versucht. Die letzten beiden schmecken sehr lekker und sind ziemlich nahe am Original und die anderen schmecken auch sehr gut, aber irgendwie anders als normalerweise..
Abends waren wir in einem neuen Indischen Restaurant hier in Cbba und es hat wirklich super geschmeckt! Und der Service war so schön unbolivianisch.. man musste diesmal nicht Stunden warten und die Bedinung drei Mal an die Bestellungen erinnern etc..
Sirjana und ich waren etwas früher da als die anderen und wurden erstmal auf einen Wein auf Kosten des Hauses eingeladen, um die Wartezeit angenehmer zu gestalten und dann haben wir uns noch sehr nett mit dem Inhaber unterhalten.. es fing also schon mal gut an!
Später haben wir auch alle sehr lekker gegessen und die Abwechslung vom bolivianischen Essen wirklich genossen.
Es gab allerdings auch einen kleinen Nachteil, auf Grund dessen wir wohl auf dieses Restaurant in Zukunft verzichten werden.. Am Sonntagmorgen dachte ich, dass nun mein Ende gekommen sei.. mir gings echt schlecht und ungefähr der Hälfte der anderen nicht minder!
Glücklicherweise gings mir nach ein paar Tagen wieder relativ gut, bis ich am Donnerstag Erdbeeren gegessen habe (Obst mit dünner Schale=riskant, weil die Bakterien da offensichtlich leichter reinkommen) und ein weiteres Mal dem Tode nahe war.. nachdem ich also die ganze Woche kaum gearbeitet habe und jetzt auch schön meine Medikamente genommen habe, gehts mir heute wieder gut und ich hoffe sehr, dass es diesmal ein bisschen länger anhält!
Die längste Zeit, die ich hier ohne Unterbrechung gesund war, war ungefähr 3 Wochen und das muss definitif noch getoppt werden!
Gestern waren es übrigens genau 3! Monate, die ich hier bin! Und es ist sooo toll!
Allerdings fängt im Dezember die Regenzeit an, auf die wir die letzte Woche schon mal einen netten Vorgeschmack bekommen haben.. naja.. es gibt schöneres, wenn ich das mal so sagen darf ..
Diesen Freitag war ich bei einem Gig vom Freund von Sirjanas Gastschwester und gestern waren wir mit ein paar Leuten bei Irita und Johanna zu Hause und haben uns einen schönen Abend gemacht..
In Bolivien ist die politische Stimmung seit ein paar Monaten ja recht angespannt und es gibt jeden Tag Unruhen.. erst gestern sind wieder ein paar Menschen in Sucre nach den Unruhen am Freitag mit ca 100 Verletzten, gestorben, in den Nachrichten sind Bilder von den ‚roten Ponchos’, eine ziemlich radikale Gruppe aus Ururo, wie sie die abgeschlagenen Köpfe von drei Hunden als Drohung gegen die Opposition in die Kameras halten und so weiter und so fort..
Aber auch das ‚normale’ Leben ist weniger sicher, als man manchmal gerne hätte.. Montag wurde meine Gastschwester mit einem Messer ausgeraubt und das, obwohl sie um 8 uhr abends auf einer belebten Strasse mit einem Freund unterwegs war..
Ein paar Tage später hat man die Leiche eines Mädchens gefunden, dass seit acht Tagen vermisst war und man konnte sie nur noch an ihren Armbändern identifizieren..
Man vermutet, dass sie umgebracht wurde, weil sie 2 Tage vorher, auf einer ‚Quinze’ (15ter Geburtstag= super wichtig hier für die Mädchen) Party ihr Bier über das Kleid einer anderen verschüttet hat und diese ihr dann gedroht hat, dass sie dafür bezahlen werde und es mit ihrer Gang zu tun bekommt. Ein anderes Mädchen, das auf der Party war ist auch seit 4 Tagen verschwunden..
Viele Menschen hier haben ein ganz anderes Verhältnis zu Gewalt als wir.. Sie sind deutlich eher bereit Gewalt anzuwenden und es wird auch öfter toleriert..
Es wird sozusagen als normal und notwendig akzeptiert und auch wenn mitlerweile ein Umdenken stattfindet, muss hier noch viel für die Menschenrechte und eine gewaltfreie Gesellschaft getan werden.


Ich werde jetzt mal langsam zum Thema ‚Tarija’ kommen... ;)
Also.. am Mittwoch gings um 2:30 in Cbba los.. leider hatten wir keinen Schlafbus, sondern nur einen normalen Bus, was nicht soo toll ist, wenn man 20 Stunden unterwegs ist..
Die Reise an sich war aber ok, auch wenn wir trotz Schlafsack fast erfroren sind, als wir Ururu und Potosi in den Bergen passiert haben.
Als wir in Tarija angekommen sind, haben wir uns mit ein paar Leuten getroffen, die mit dem ICYE in La Paz leben und uns einen schönen Tag gemacht..
Allerdings mussten wir am selben Abend noch mal 4 Stunden in einem kleinen, sehr unbequemen Bus durch die Pampa fahren, um zu unserem Camp zu kommen..
Das Camp selber, war sehr schön! Es war toll die anderen Freiwilligen mal wieder zu sehen und sich auszutauschen, die Umgebung war toll und das Essen erstaunlich gut!
Wir waren spazieren, sind geritten, Kanu gefahren (auf einem Teich, das war echt ein Witz), konnten uns von einer 3 Meter hohen Wand abseilen, wir waren in einem Fluss baden und haben eine Schule in der Umgebung besucht, wo die Kinder glaube ich noch nicht besonders oft (vll noch nie?) Weisse gesehen haben. sie haben etwas für uns gesungen und später hat dann noch ein Fussballspiel stattgefunden.. ca. 10 von uns gegen 30 Kinder ;) war wirklich süss anzusehen..
Wir waren auch noch in einer Karaokebar an einem Abend, was irgendwie nicht soo der Hit war.. sie hatten ein richtiges Buch mit total vielen Liedern zur Auswahl von denen mindestens 50% auf englisch waren.. Sie hatten dann aber im Endefect so gut wie kein Lied da..
Es wurde ‚Imagine’ von John Lennon gesungen und das wars. Ohne Witz. Als die Mädels danach ‚Like a Virgin’ von Madonna singen wollten, wollten sie das nicht auflegen.. merkwürdig für ne Karaokebar... und die Musik an sich war auch fürchterlich.. naja..dieser Teil des Abends war dann glücklicherweise auch bald wieder vorbei..
Am Sonntag sind wir nach Tarija zurückgefahren und haben uns auf dem Weg dorthin noch zwei wunderschöne Wasserfälle angesehen, wofür wir erst noch ‚Spaziergang’ durch die schöne dschungelige Umgebung machen mussten.
In Tarija haben dann die La Paz Leute und wir noch einen sehr schönen Tag verbracht und in einem Hostel übernachtet, indem ich mir, mit Irita und Sirjana ein Doppelbett geteilt habe und eine Freundin sich in unserem Bad eingeschlossen hat und nicht mehr rauskam..;) (irgendwann haben wir sie doch noch befreien können)
Die Busfahrt zurück war nicht soo toll, ehrlich gesagt..
Zwar hatten Alistair und ich eine super Aussicht, weil wir Plätze ganz vorne hatten, aber der Busfahrer war irgendwie in dem Glauben, er müsse ein Rennen fahren. Zum Einen war das nicht so toll, weil Alistair und ich in diesem Falle eine, ein bisschen zu gute Sicht hatten und man immer irgendwie bei Kurven ein bisschen über den Abrund hing und zum Anderen hat er fast keine und wenn nur unheimlich kurze Klopausen gemacht.
Das Problem dabei war, dass es im Bus natürlich kein Klo gab, Männer an sich ja ohnehin immer mal eben schnell überall Pinkeln können (neben dem Bus dann halt, in Pausen, die so kurz waren, dass sie den Namen „Pause“ eigentlich nicht verdient haben) und die bolivianischen Frauen (sagen wir mal, zumindest die Cholitas, die den Bus benutzen) weit weniger Schamgefühl haben als Europäerinnen und sich auch mal eben neben den Bus gehockt haben.. wir dahingegen haben fast nichts getrunken und ca. 11 Stunden bis zum nächsten Klo gewartet ^^
Als wir dann endlich eine Pause zum Abendessen gemacht haben, meinte der Busfahrer was von 15 Minuten.. aber das will in Bolivien normalerweise nichts heissen und auf der Hinfahrt sind zum Beispiel aus 15 Minuten schnell mal 50 geworden..
Aber wir hatten vergessen, dass der Busfahrer total seltsam ist und schon nach 10 Minuten, als ich gerade meinen Teller vor mir hatte, kam bereits jemand rein, um zu sagen, das der Cbba Bus jetzt los will. Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben so schnell gegessen.. und Alistair hatte sogar noch eine Suppe vor seiner Hauptspeise.. er meinte danach, dass er sich nicht erinnern könne, wie das Essen geschmeckt hat..
Wir sind dann auch schon nach 18 Stunden angekommen, statt nach 20 und ich hoffe der Busfahrer war glücklich damit.


Liebste Grüsse!!